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Schreiben

Schreiben ist eine wichtige Kulturtechnik zum Zweck der Kommunikation und der Teilnahme am kulturellen Leben. Die Schreibkompetenz lässt sich aus wissenschaftlicher Perspektive in fünf verschiedene Kategorien unterteilen.

Definition

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Schreiben (lat.: scribere = mit dem Griffel auf einer Tafel einritzen) ist eine elementare Kulturtechnik und bezeichnet das Aufzeichnen von Schriftzeichen, Buchstaben? oder Schrift auf einem Medium bzw. Beschreibstoff?. Es bildet zusammen mit dem Lesen die wichtigste Voraussetzung für die Teilnahme am kulturellen, sozialen und beruflichen Leben. Die Geschichte des Schreibens ist untrennbar verbunden mit der Geschichte der Schrift und umfasst eine Zeitspanne, die von der Ur- und Frühgeschichte bis in die Gegenwart reicht.

Erst durch das Schreiben war es den Menschen möglich, Wissen festzuhalten, zu sammeln und zu überliefern. Zusammen mit dem Lesen und dem Rechnen bildete das Schreiben die wichtigste Grundlage für den Aufbau und die Entwicklung einer Kultur- und Wissensgesellschaft. Dem Schreiben liegt ein System gleichbleibender grafischer? Zeichen zu Grunde: ein Alphabet?, das seinerseits das Ergebnis einer Jahrhunderte langen Entwicklung ist und aus kulturhistorischer Perspektive niemals stillsteht. Auch unser modernes lateinisches Alphabet? ist in Bewegung, wie z. B. die immer wieder aufkeimende Debatte um den Fortbestand des Buchstaben? „ß“ zeigt.

Die historische Rückschau verdeutlicht, dass es in der Geschichte des Schreibens zwei folgenreiche Revolutionen gab, die das Schreibverhalten der Menschen dauerhaft gewandelt haben. Die erste Revolution war die Erfindung des Buchdrucks, die zweite die Erfindung des Computers und der digitalen Textverarbeitung. Bis zur Erfindung des Buchdrucks? war das Schreiben mit einem Schreibgerät (z. B. Schiefergriffel oder Federkiel) die einzige Möglichkeit, Gedachtes oder Gesprochenes auf einem Beschreibstoff? (z. B. Tontafel oder Papyrus) festzuhalten und zu archivieren?.

Foto: Marko Greitschus / www.pixelio.de

Überblick

In Deutschland liegt der Anteil der Menschen, die lesen und schreiben können, bei ca. 99 Prozent. Man spricht in diesem Fall von einer alphabetisierten Bevölkerung. Ein Alphabetisierter wird laut Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) wie folgt definiert: „Eine Person wird als alphabetisiert bezeichnet, wenn sie eine kurze, einfache Aussage zu ihrem alltäglichen Leben mit Verständnis sowohl lesen als auch schreiben kann.“ Doch dieser hohe Alphabetisierungsgrad ist keine Selbstverständlichkeit. Es gibt Länder, in denen die Alphabetisierung unter 50 Prozent liegt, z. B. Bangladesch (ca. 47 Prozent) oder Niger (ca. 28 Prozent). Dieser niedrigere Grad hat laut OECD politische, soziale und wirtschaftliche Ursachen.

Schreibenkönnen – ein rares Gut

Im historischen Rückblick wird deutlich, dass die Lese- und Schreibfähigkeit auch in Deutschland lange Zeit ein seltenes und kostbares Gut war. Im Mittelalter? war der Anteil der lese- und schreibkundigen Menschen gering und konzentrierte sich in den Städten sowie an den Höfen und im Klerus. Welchen Stellenwert die Fähigkeit des Schreibens in der damaligen Zeit besaß, lässt sich auch daran ermessen, dass es den Beruf des Schreibers gab, der seine Dienste beim Lesen und Schreiben von Dokumente anbot. Wer zum Schreiber kam, war ihm, wie man damals sagte, auf Treu und Glauben ausgeliefert - und die Geschichte ist voll von Beispielen, wo der Schreiber untreu wurde! So mancher Fürst und Edelmann hat beträchtliches Hab und Gut verloren, weil er seinen Namen unter ein Schriftstück setzte, das von der korrumpierten und bestochenen Hand eines Schreibers manipuliert worden war.

Ein wichtiger Impulsgeber für die Alphabetisierung der Bevölkerung war die Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert. Die neue Technik, die sich auf Grund der gut ausgebauten Handelswege sehr schnell in Deutschland und Europa ausbreitete, hatte auch die zunehmende Alphabetisierung der Bevölkerung zur Folge. Beschleunigenden Einfluss auf die Lese- und Schreibfähigkeit hatte außerdem die Französische Revolution sowie die einsetzende Industrialisierung und Verstädterung im Lauf des 19. Jahrhunderts. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatte der Alphabetisierungsgrad in Deutschland beinahe 100 Prozent erreicht.

Mindestens zwei Werkzeuge sind notwendig

Wer schreiben will, benötigt mindestens zwei Werkzeuge: Schreibgerät und Beschreibstoff?, z. B. Tinte. So benutzten z. B. die Babylonier einen stumpfen Dreiecksgriffel, um mit Keilschrift auf noch feuchten und daher weichen Tontafeln zu schreiben. Heute hat sich zu Schreibgerät und Beschreibstoff? noch ein drittes Element gesellt: der Schreibstoff?. So schreiben z. B. die Schüler im Unterricht mit einem Füllfederhalter auf Papier - als Schreibstoff? dient in diesem Fall Tinte, die vom Papier aufgesogen wird und auf diese Weise das Geschriebene sichtbar macht.

Die fünf Grade der Schreibkompetenz

Das Schreiben lässt sich aus wissenschaftlicher Perspektive in verschiedene Kategorien einteilen. Der amerikanische Lernforscher Carl Bereiter? definiert fünf Kompetenzgrade:

  • Assoziatives Schreiben: Im Mittelpunkt steht das spontane Hervorbringen von Sprache ohne vorhergehende konzeptionelle Planung.
  • Performatives Schreiben: Ziel ist es, ein Schriftstück hervorzubringen, das den grammatischen und orthographischen? Regeln entspricht.
  • Kommunikatives Schreiben: Das Schreiben orientiert sich an einem potentiellen Adressaten.
  • Reflektiertes Schreiben: Das Geschriebene wird nach der Niederschrift noch einmal geprüft. Im Mittelpunkt der Prüfung steht der intellektuelle Gehalt des Schriftstücks.
  • Epistemisches Schreiben: Während des Schreibens werden Gedanken formuliert und in neue Zusammenhänge gebracht. Das Schreiben wird auf diese Weise zu einem integralen Bestandteil des Denkens. Nach Bereiter? die höchste Form des Schreibens!

In der alltäglichen Praxis sind die Übergänge zwischen den einzelnen Schreibstufen fließend. Wer mit den verschiedenen Schreibstufen experimentieren möchte, kann z. B. an einer Schreibgruppe teilnehmen - dort werden der bewusste Umgang mit Sprache und die Vervollkommnung der eigenen Ausdrucksmöglichkeiten durch phantasievolle Übungen vermittelt.

Sonstiges

Von Ingeborg Bachmann stammt der Satz: "Schreiben heißt, von einer sehr merkwürdigen Arbeit existieren, von der man nicht verlangen darf, dass die Gesellschaft sie als Beruf, als nützlich und notwendig anerkennt."

Literatur

  • Hoffmann, Monika: Besser schreiben für Dummies. Wiley-VCH Verlag, Weinheim 2010, ISBN: 978-3527705580
  • Roentgen, Hans Peter: Vier Seiten für ein Halleluja. Schreibratgeber. Sieben Verlag, Ober-Ramstadt 2008, ISBN: 978-3940235367
  • Stein, Peter: Schriftkultur. Eine Geschichte des Schreibens und Lesens. Primus Verlag, Darmstadt 2010, ISBN: 978-3896786951

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