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Papiermühlen

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Papiermühlen befanden sich stets an Wasserläufen und dienten der Herstellung des Beschreibstoffes? bzw. Bedruckstoffes Papier. Eine Papiermühle wies wie eine einfache Papiermacherwerkstatt zumeist den kompletten Herstellungsprozess auf, konnte aber aufgrund ihrer Mechanisierung weitaus größere Mengen erzeugen.

Als erste deutsche Papiermühle gilt die Gleismühl an der Pegnitz bei Nürnberg. Ulman Stromer, ein Nürnberger Handelsherr, hatte ab 1389? die ehemalige Kornmühle zu einer Papiermühle umbauen lassen und 1390? als solche in Betrieb genommen.

In einer Papiermühle gab es folgende Berufsgruppen: den Mühlenmeister, die Schöpfer, die Gautscher, die Ableger und die Leimer.

Im 15. Jahrhundert stieg der Papierbedarf durch die Erfindung des Buchdrucks? enorm an. Die Folge war ein immer dichter werdendes Netz von Papiermühlen durch ganz Europa. Noch heute erinnern vielerorts beispielsweise Bezeichnungen von Stadtteilen, Flur- und Straßennamen, Hotels und Rasthäusern an diesen Umstand.

Das Bild stammt von Moorhenne / pixelio.de.

Von Lumpensammlern und Haderlumpen

Zur damaligen Zeit wurde Papier nahezu ausschließlich aus Baumwoll-, Leinen-, Hanf- und Flachslumpen gefertigt. Die stetig steigende Nachfrage nach Papier bedingte eine verstärkte Nachfrage nach Lumpen als Ausgangsstoff für dessen Herstellung, den so genannten Hadern.

Für die Beschaffung der Lumpen oder auch Hadern waren Lumpensammler zuständig. Sie zogen durch die Städte und Dörfer, wo sie lauthals altes Hadernzeug einsammelten. Umgangssprachliche Überbleibsel aus der Zeit dieses verbreiteten Wanderberufs sind Ausdrücke wie Lump oder auch Haderlump.

Die aufstrebende Papierproduktion? hatte natürlich auch eine zahlenmäßige Zunahme der Lumpensammler zur Folge. So dauerte es nicht lang, bis jeder Papiermühle oder auch jedem Lumpensammler genaue Lumpensammelgebiete zugeteilt wurden.

Dennoch kam es mehr und mehr zu einer Verknappung des Rohstoffes Lumpen. Einerseits hatte dies einen Aufschwung des Hadernschmuggels zur Folge, andererseits versuchte man die Hadern durch andere Materialien zu ersetzen. Versuche mit Hopfen, Brennnesseln, Disteln und anderen Pflanzen brachten aber nicht die erhofften Ergebnisse. Erst Mitte des 19. Jahrhunderts wurde im Zuge der industriellen Entwicklung Holz zur Papierherstellung verwendet.

Von Stampfwerken und Holländern

Die angelieferten Hadern wurden in den Papiermühlen zunächst nach Faserart, Farbe und Qualität sortiert und von allen Fremdstoffen wie Schnallen und Knöpfen befreit. Danach wurden sie in Handarbeit an Messern grob zerstückelt und anschließend in einem Wasserbottich für längere Zeit eingeweicht bis eine Faulung eintrat.

Nach etwa einem Monat hatten die Lumpen einen gewissen Fäulnisgrad erreicht und konnten zerkleinert werden. Hierzu wurden sie in einen Trog verbracht, in dem die Lumpenmasse durch ein wasserkraftbetriebenes Stampfwerk mehr und mehr zerkleinert wurde. Zum Einsatz kamen gleichermaßen oberschlächtige und unterschlächtige Wasserräder. Bei oberschlächtigen Wasserrädern fließt das Wasser von oben auf das Rad. Unterschlächtige Wasserräder dagegen befinden sich mit dem unteren Teil im fließenden Gewässer, werden also von unten her angetrieben.

Papiermühlen verfügten meist über eine Reihe von Trögen, in denen die über eine lange Nockenwelle angetriebenen Stampfhämmer tagein tagaus niederprasselten. Für die Reinigung der immer feiner werdenden Lumpenfasern sorgte ständig nachlaufendes Frischwasser. Der gesamte Prozess dauerte etwa 48 Stunden.

Die so im Stampfwerk zerfaserten Hadern, auch Halbzeug genannt, kamen anschließend in den Holländer. Diese walzenförmige Maschine zermahlte die Lumpen in einem steinernen, später auch metallenen Trog, weiter zu einer breiartigen Masse, dem Ganzzeug. Seit 1670 an fand die aus Holland stammende Vorrichtung langsam zwar aber stetig Einzug in die europäischen Papiermühlen. Herzstück eines Holländers ist eine messerbesetzte Walze, die das Halbzeug immer weiter zerkleinert, zermahlt und vermischt.

Von Rahmen und Walzen

Nach dem Zerfasern wurde die Masse in einem Holzbottich, der Bütte, mit reichlich Wasser verdünnt, so dass der Faseranteil nur wenige Prozent betrug. Nun folgte der Vorgang des Papierschöpfens.

Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts schöpfte man per Hand mittels eingerahmter engmaschiger Siebe eine bestimmte Menge Papierbrei aus der Bütte. Der Schöpfgeselle legt dazu den Rahmen, auch Deckel genannt, auf die Form und taucht beides in den dünnen Faserbrei ein. Nach dem Herausnehmen der Form wird die Form waagerecht gehalten und langsam hin und her bewegt, so dass durch die entstehende Verflechtung der Fasern eine gleichmäßige Lage Papier entsteht.

Nach dem Abtropfen des Wassers wurde der geschöpfte Papierbogen auf einen Filz geschichtet, was Aufgabe des Gautschers war. Dieser Vorgang wurde mehrere Male wiederholt und anschließend der so entstandene Stapel (Pauscht) in einer Spindelpresse ausgepresst. Ein gebogener Draht prägte dabei bei Bedarf ein Wasserzeichen? ein. Der Effekt des Wasserzeichens ergibt sich aus der dort geringfügig dünneren Schicht des Papierbogens. Ein weiterer Geselle, der Ableger, entnahm nun den Pauscht aus der Presse und löste die immer noch sehr feuchten Papierbögen vom Filz ab. Oft wurden die Bögen noch mehrmals zwischen trockenen Filzen ausgepresst. Nach dem Auspressen hängte man die Bögen auf dem Trockenboden einzeln zum Trocknen auf. Verwendet wurden hierfür Leinen aus Ross- oder Kuhhaaren, die zudem noch mit Bienenwachs bestrichen waren. Der Trocknungsprozess dauerte etwa einen Tag.

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Handschöpfung in vielen Papiermühlen durch den Betrieb von Walzen ersetzt. Durch ein um zwei Walzen laufendes Endlossieb wurde die Herstellung langer Papierbahnen möglich. Angetrieben wurden die Walzen zunächst durch eine Kurbel, später dann durch Riemen unter Ausnutzung der Wasserkraft als Antriebsenergie. Durch die gleichmäßige Arbeit der Maschine ergab sich ein weiterer Vorteil, die gleich bleibende Papierstärke des Hadernpapiers. Am anschließenden Pressen und Trocknen der Papierbögen aber änderte sich lange Zeit nichts.

Waren die in der Papiermühle hergestellten Papierbögen zum Beschreiben gedacht, musste man deren sehr saugfähige Oberfläche noch versiegeln. Für diesen Arbeitsgang, auch leimen genannt, verwendete man eine heiße und häufig mit Alaun versetzte Lösung aus Tierleim. Es schloss sich abermals das Pressen und Trocknen an. Ein letzter Arbeitsgang war das Glätten der noch welligen Papierbögen per Hand oder durch einen wasserradgetriebenen Glätthammer. Ab dem späten 18. Jahrhundert glättete man die Bögen auf Satinierwalzen.

Papiermühlen in der Literatur

In "Vom Wasser" (1998) hat John von Düffel eine Papiermühle in Westfalen, zwischen Diemel und Orpe gelegen, zum Schauplatz eines Familienromans gemacht.

Erhaltene Papiermühlen

Papiermühle in Zwönitz

Technisches Museum "Papiermühle"
Köhlerberg 1
08297 Zwönitz

Tel.: 037754 / 26 90

Öffnungszeiten

Mittwoch bis Samstag: 10.00 – 12.00 und 13.00 – 17.00 Uhr
Sonntag: 12.00 – 17.00 Uhr
Montag und Dienstag: Ruhetag

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