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Lewitscharoff, Sibylle
Sibylle Lewitscharoff (geb. 16 April 1954 in Stuttgart) ist eine deutsche Schriftstellerin. Sie verfasst Romane, Erzählungen, Hörspiele?, Radiofeatures? und literarische Essays. Für ihr Werk erhielt sie bereits zahlreiche Auszeichnungen. Im November 2011 wird ihr der Kleist-Preis? verliehen. Sibylle Lewitscharoff lebt in Berlin.
Leben und Schreiben
Sibylle Lewitscharoff wurde am 16. April 1954 in Stuttgart geboren. Dort machte sie 1972 ihr Abitur. Im Anschluss ging sie nach Berlin und studierte an der Freien Universität Religionswissenschaften. Während ihres Studiums verbrachte sie jeweils ein Jahr in Buenos Aires und Paris.
Nach dem Studium arbeitete Sibylle Lewitscharoff in der Berliner Werbeagentur ihres Bruders Michael. Zur gleichen Zeit verfasste sie Hörspiele? und Radiofeatures. 1994 debütierte? sie mit ihrem Buch „36 Gerechte“, in dem sie den Stoff der chassidischen Legende von den 36 Gerechten bearbeitet. 1996 folgte die Ausstrahlung ihres Hörspiels „Im Schrank“.
„Pong“ (1998)
Der Durchbruch als Schriftstellerin gelang Sibylle Lewitscharoff mit der Erzählung „Pong“, für die sie 1998 in Klagenfurt mit dem Ingeborg-Bachmann-Preis ausgezeichnet wurde. In „Pong“ erzählt Lewitscharoff die Geschichte eines Verrückten, der es sich in den Kopf gesetzt hat, die Welt zu retten. 1999 erschien ihr Kinderbuch „Der höfliche Harald“, das sie selbst mit Illustrationen versah. Der Held des Buches ist ein neuneinhalb Jahre alter Junge, der zum Abenteurer wider Willen wird und unter anderem in das sagenumwobene Reich des finsteren Rattenkönigs verschlagen wird.
„Montgomery“ (2003) und „Consummatus“ (2006)
2003 folgte ihr Roman „Montgomery“, in dem sie die Lebensgeschichte eines schwäbisch-italienischen Filmproduzenten erzählt, der in den bekannten Cinecittà-Studios das Leben des Joseph Süß Oppenheimer verfilmt. Im Februar 2006 veröffentlichte die Deutsche Verlags-Anstalt? Lewitscharoffs Roman „Consummatus“, der im winterlichen Stuttgart spielt und in dem ein Mann, der etwas zu viel Wodka getrunken hat, sein Leben Revue passieren lässt. Der Literaturkritiker Denis Scheck? bemerkte dazu, Lewitscharoff könne Sätze schreiben, die wie Schiffschaukelfahren seien
Sibylle Lewitscharoff wurde 2007 mit dem Preis der Literaturhäuser? ausgezeichnet. In der Begründung der Jury? heißt es, dass Sibylle Lewitscharoff eine große Autorin sei, deren Auftritte das Publikum? durch ihre pointierte Liebe zum Detail und mit einem Hauch Anarchie in den Bann schlage.
Im November 2008 erhielt Sibylle Lewitscharoff den Marie-Luise-Kaschnitz-Preis?. Ihre Prosa, so die Jury, zeichne sich durch Formenreichtum, Sprachartistik und gedanklichen Reichtum aus. "Vor allem mit ihrem Künstlerroman ,Montgomery' ist es ihr gelungen, eine Figur zu schaffen, die im besten Sinne literaturhistorische Tradition fruchtbar macht für eine betont zeitgenössische Thematik - die der Selbstfindung", so die Juroren weiter.
„Apostoloff“ (2009)
Im Februar 2009 erschien "Apostoloff". Der Roman erzählt von zwei Schwestern, die mit einem Limousinenkonvoi die sterblichen Überreste von 19 Exilbulgaren – in den Vierzigern von Sofia nach Stuttgart ausgewandert – in ihre alte Heimat überführen. Unter den Toten ist auch ihr Vater. Nach der Beisetzung reisen sie als Touristinnen durchs Land, chauffiert vom geduldigen Rumen Apostoloff, der ihnen die Schätze seines Landes zeigen möchte. Doch die Schätze erweisen sich als zerstört: Die Keramik mit Pfauenaugendekor ist mit giftigem Kobaltblau gefärbt, die Schwarzmeerküste ist versaut und die gesamte Architektur eine Katastrophe. Die Jüngere, die Erzählerin, spuckt Gift und Galle. So sind Apostoloffs Vermittlungsversuche zunächst wenig erfolgreich. Zumal das bulgarische Erbe der Schwestern schwer wiegt, denn der Vater, ein erfolgreiche Arzt und melancholischer Einwanderer, verfolgt sie in ihren Träumen, und hinter ihm ist das Ende des Stricks sichtbar, an dem er sich schlussendlich erhängt hat.
Die "Neue Zürcher Zeitung" lobte "Apostoloff" als "große Komödie des Hasses". Auch der Rezensent der "Zeit" zeigte sich angetan: Der "außerordentlich fidele, ja aufgekratzte Ton", mit dem hier das Unglück einer Familie als Posse beschrieben werde, und das "kaltblütige Sprachregiment" verwandelten alle Trauer kurzerhand in "Schabernack". Lewitscharoff habe "einen hinreißenden Roman geschrieben; eine schräge Komödie mit Zügen ins Groteske, angesiedelt zwischen Theologie und brachialem Realismus", befand die "tageszeitung". Der Roman erhielt den Preis der Leipziger Buchmesse 2009. Im selben Jahr erhielt Sibylle Lewitscharoff den Spycher: Literaturpreis Leuk?.
Im Jahr 2010 bekam Sibylle Lewitscharoff den Berliner Literaturpreis verliehen. Mit der Auszeichnung war die Berufung auf die Heiner-Müller-Gastprofessur für deutschsprachige Poetik an der Freien Universität Berlin (FU) verbunden. Im selben Jahr wurde sie in die Akademie der Künste? in Berlin aufgenommen. 2011 sprach ihr die Heinrich-von-Kleist-Gesellschaft? für ihr erzählerisches Werk? den Kleist-Preis? zu.
„Blumenberg“ (2011)
In ihrem 2011 erschienenen Roman "Blumenberg" schickt Sibylle Lewitscharoff eins Nachts einen Löwen in das Arbeitszimmer des Philosophen Hans Blumenberg?. Er liegt auf dem Teppich und schaut den Hausherrn an. Am nächsten Tag zeigt sich der Löwe während Blumenbergs Vorlesung an der Universität. Der Philosoph, der dem König der Tiere tatsächlich eine Abhandlung gewidmet hat, ist eigentümlich berührt. Und auch vier Studenten aus dem Umkreis Blumenbergs geraten in seinen Bann ...
"Blumenberg" wurde sehr gut besprochen. Die Süddeutsche Zeitung etwa nannte ihn eine Erneuerung des Bündnisses von romantischem Roman und Philosophie und bescheinigte Lewitscharoff "enorme Sprachkunst, ... Witz und metaphorische Vertracktheit". Der Roman stand auf der Shortlist? zum Deutschen Buchpreis.
Übrigens ...
hat Sibylle Lewitscharoff sich nicht nur als Autorin von Romanen, Erzählungen, Hörspielen?, Radiofeatures und literarischen Essays einen Namen gemacht. Nach ihrem Studium, das sie in Berlin an der Freien Universität absolvierte, hat sie ein Grammatik-Brettspiel mit dem Titel „Satzbau“ erfunden.
Auszeichnungen
- 1998 Ingeborg-Bachmann-Preis
- 1999 Preis der Stiftung Buchkunst
- 2006 Kranichsteiner Literaturpreis
- 2007 Preis der Literaturhäuser
- 2008 Marie Luise Kaschnitz-Preis? der Evangelischen Akademie Tutzing
- 2009 Preis der Leipziger Buchmesse
- 2009 Spycher: Literaturpreis Leuk?
- 2010 Berliner Literaturpreis? 2010 der Stiftung Preußische Seehandlung?
- 2010 Mitglied der Akademie der Künste? in Berlin
- 2011 Kleist-Preis?
- 2011 Wilhelm-Raabe-Literaturpreis? der Stadt Braunschweig und des Deutschlandfunks
Werke (Auswahl)
- 36 Gerechte. Claus Steinrötter, Münster 1994, ISBN: 978-3927024007
- Pong. Berlin Verlag, Berlin 1998, ISBN: 978-3827002853
- Der höfliche Harald. Berliner Taschenbuch Verlag, Berlin 2002, ISBN: 978-3833302411
- Montgomery. Berliner Taschenbuch Verlag, Berlin 2005, ISBN: 978-3442732142
- Consummatus. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2006, ISBN: 978-3421055965
- Apostoloff. Roman. OA 2009. Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2009, ISBN: 978-3518420614
- Blumenberg. Roman. OA 2011 Suhrkamp Verlag, Berlin 2011, ISBN: 978-3518422441
Hörbücher
- Der höfliche Harald. 2CDs. München, BMG Wort, ISBN-13: 978-3898301138
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