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Kristof, Agota

Agota Kristof (geb. 30. Oktober 1935 in Csikvánd, Ungarn; gest. am 27. Juli 2011 in Neuchâtel, Schweiz) war eine ungarisch-schweizerische Schriftstellerin. Sie schrieb Romane, Erzählungen, Hörspiele? und Theaterstücke. Ihre Bücher sind in 33 Sprachen übersetzt worden. Sie lebte zuletzt in Neuchâtel in der französischsprachigen Schweiz.

Leben und Schreiben

Agota Kristof, Tochter eines Dorfschullehrers, wuchs in ihrem Geburtsort auf. Mit 13 Jahren begann sie zu schreiben, ausschließlich Gedichte. Als sie 14 war, kam sie in ein Internat. Dort lernte sie ihren späteren Mann kennen, der ihr Geschichtslehrer und politisch aktiv war. Nach der Niederschlagung des Volksaufstandes 1956 floh er mit ihr und der neugeborenen gemeinsamen Tochter aus Ungarn. Später sagte Kristof, sie persönlich habe ihre Heimat eigentlich nie verlassen wollen.

In Fontainemelon nahe Neuchâtel arbeitete Agota Kristof fünf Jahre lang in einer Uhrenfabrik. Weil man dort wenig sprach, lernte sie kaum Französisch. Nur mit ihrer kleinen Tochter lernte sie etwas mit. Dann bekam sie ein Stipendium der Stadt von Neuchâtel, konnte richtig Französisch lernen - und begann wieder zu schreiben. Zunächst übersetzte sie ihre ungarischen Gedichte. Sie betonte: "Wenn ich eines ganz sicher weiß, dann dieses, dass ich geschrieben hätte, wo auch immer und in welcher Sprache auch immer." Bis zuletzt verfasst Agota Kristof ihre Bücher auf Französisch.

Die Roman-Trilogie

Die ersten französischen Texte waren rund zehn Theaterstücke und Hörspiele?. Sie wurden in der Region gespielt und im französisch-schweizerischen Radio gesendet. 1972 begann Kristof Prosa zu schreiben, 1986 erschien ihr erster Roman "Le Grand Cahier" (dt. "Das große Heft", 1987). Kristof protokolliert darin eine Kindheit, die nichts Idyllisches hat. Zwei Zwillingsbrüder werden zur Großmutter aufs Land geschickt, sie betteln, hungern, schlachten, stehlen, töten, sie stellen sich taub, blind und bewegungslos − sie haben gelernt, was sie zum Überleben brauchen ... Das Buch wurde ein internationaler Erfolg und bekam die Auszeichnung "Livre Européen".

1988 und 1991 folgten die Fortsetzungsbände "La Preuve" (dt. "Der Beweis", 1988) und "Le Troisième Mensonge" (dt. "Die dritte Lüge", 1992): Die Zwillinge, jetzt Claus und Lucas genannt, trennen sich – der eine verschwindet über die Grenze. Lucas bleibt im Haus der Großmutter, im stalinistischen Niemandsland, gefangen in der Erinnerung an seinen Zwillingsbruder. Seine Versuche, Liebe zu finden, scheitern in trostloser Einsamkeit ...

"Hier" und frühe Texte

Zwischen 1993 und 2007 kamen dann auch Kristofs frühe auf Französisch geschriebene Theaterstücke und Hörspiele heraus. 1995 erschien Agota Kristofs autobiographischer Roman "Hier" (dt. 1995), gefolgt von der ebenfalls autobiographischen Erzählung "L'Analphabète" (2004; dt. "Die Analphabetin, 2005). 2005 kamen Novellen unter dem Titel "C'est égal" heraus (dt. "Irgendwo", 2007).

Im Schreiben suchte Kristof sich ganz der Objektivität der Tatsachen zu unterwerfen, der entstehende Text war für sie keine ästhetische Konstruktion, kein Zeugnis einer Gefühlsbindung an die Sprache. Sie verzichtete auf Beschreibungen und Gefühlsäußerungen: Sie fürchte sich vor der "Lüge der Gefühle", sagte sie 2001 im Interview mit der "Tribune de Genève", weshalb sie auch ihre frühen, zuerst auf Ungarisch geschriebenen Gedichte mittlerweile ablehne.

Trotz dieses Purismus, so die Literaturkritik, schwinge in ihren Texten sehr viel Gefühl mit. "Agota Kristofs Romane beschreiben das Leiden, den Krieg, den Tod, beschreiben Verbrechen und sexuelle Perversionen, doch sie handeln ganz ausschließlich von der Liebe. Im reinsten, ja zartesten Sinn handeln sie von der Liebe", urteilte die "Süddeutsche Zeitung".

Agota Kristof wurde mehrfach ausgezeichnet. Sie kam auf die Auswahlliste für den Prix Goncourt und erhielt u. a. den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur?

Übrigens ...

bezeichnete Agota Kristof ihr Leben nach dem Abitur als "Katastrophe". Ihr Mann habe sie nicht in Budapest studieren lassen, und nach der Emigration in die Schweiz sei wieder er und nicht sie es gewesen, der studiert habe. Im Interview mit der "Tribune de Genève" stellte sie fest: Es wäre besser gewesen, ihr Mann hätte zwei Jahre Gefängnis in Ungarn erdulden müssen als sie fünf Jahre Fabrikarbeit.

Auszeichnungen

2001 Gottfried-Keller-Preis?
2005 Schillerpreis der Schweizerischen Schillerstiftung
2006 Preis der SWR-Bestenliste
2008 Österreichischer Staatspreis für Europäische Literatur?

Werke (Auswahl)

  • Hier. Reclam Verlag, Ditzingen 2002, ISBN: 978-3150090961
  • Die Analphabetin. Autobiographische Erzählung. Piper Verlag, München 2007, ISBN: 978-3492249027
  • Irgendwo. Nouvelles. Piper Verlag, München 2008, ISBN: 978-3492251969
  • Das große Heft. Piper Verlag, München, 18. Aufl. 2008, ISBN: 978-3492207799
  • Der Beweis. Piper Verlag, München, 9. Aufl. 2008, ISBN: 978-3492214971
  • Die dritte Lüge. Piper Verlag, München, 8. Aufl. 2008, ISBN: 978-3492222877
  • Das große Heft, Der Beweis, Die dritte Lüge : Trilogie. Büchergilde Gutenberg, Frankfurt an Main - Wien 1999, ISBN: 978-3763249275


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