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Hesse, Hermann
Hermann Hesse (geb. 2. Juli 1877 in Calw/Württemberg; gest. 9. August 1962 in Montagnola/Tessin) war ein deutschsprachiger Schriftsteller und Maler. 1946 wurde er für sein Lebenswerk? mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.
Leben und Schreiben
Hermann Hesse wurde am 2. Juli 1877 in Calw/Württemberg geboren. Sein Vater Johannes war ein pietistischer Missionar, seine Mutter Marie wurde 1842 als Tochter des bekannten Missionspredigers und Indologen Hermann Gundert in Ostindien geboren. Herman Hesse hatte fünf leibliche Geschwister, von denen zwei früh verstarben, sowie zwei Brüder aus der ersten Ehe seiner Mutter. Er wuchs in einem streng pietistischen Elternhaus auf. Seine Jugendjahre verliefen turbulent. Nach dem Willen der Eltern sollte er Theologe werden. Hesse aber wollte nicht, er hatte andere Pläne. Die Eltern schickten ihn auf verschiedene Schulen in Basel und Calw, 1891 wurde er als Stipendiat in das evangelische Klosterseminar Maulbronn aufgenommen. Nach sieben Monaten hielt er es dort nicht mehr aus und floh, weil er, wie er später erklärte, entweder Dichter oder gar nichts werden wollte.
Nach einem Selbstmordversuch begann für Hesse eine mehrjährige Odyssee durch verschiedene Schulen und Lehrberufe. 1895 erreichte er vorerst das Ziel seiner Wünsche: Er machte ein Volontariat in einer Tübinger Buchhandlung? und ging anschließend als Buchhandlungsgehilfe nach Basel, wo er in einem Antiquariat? arbeitete. Nebenbei veröffentlichte er Buchkritiken, vermischte Artikel und eigene literarische Arbeiten in verschiedenen Zeitungen? und Zeitschriften?. Ab 1904 lebte Hermann Hesse nach ersten literarischen Erfolgen als freier Schriftsteller in einem Bauernhaus in Gaienhofen am Bodensee. Im gleichen Jahr heiratete er die Basler Photographin Maria Bernoulli. Aus der Ehe gingen drei Söhne hervor.
„Peter Camenzind“ (1904)
Als Lyriker? debütierte? Hermann Hesse mit dem Gedichtband „Romantische Lieder“ (1898), ein Jahr später folgte der Prosaband „Eine Stunde nach Mitternacht“ (1899). Der Durchbruch als Schriftsteller gelang ihm mit dem zivilisationskritischen Entwicklungsroman „Peter Camenzind“ (1904). In dem autobiographisch gefärbten Roman, der Hesses erstes erfolgreiches Buch wurde, erzählt er die Geschichte eines sensiblen jungen Mannes, der vom Lande in die Stadt kommt, dort eine Vielzahl bewegender Erlebnisse macht und schließlich zur Natur und zum einfachen Leben zurückkehrt. Dieses Motiv (die Flucht vor und zu den Menschen) durchzieht auch die folgenden Werke des Dichters.
Hermann Hesses Frühwerk stand noch ganz unter dem Einfluss von Gottfried Keller, das bedeutet, dass Hesse trotz romantischer Grundhaltung um eine realistische Darstellung bemüht war. Das zumeist autobiographisch geprägte Frühwerk spiegelte vielfach die inneren Wandlungen, Konflikte und Lebenskrisen aus der Jugendzeit des Schriftstellers. In seinen Büchern war Hesse vor allem darum bemüht, die von ihm als äußerst quälend empfundene Polarität von Verstand und Gefühl, von Geist und Sinnlichkeit in einen harmonischen Einklang zu bringen.
„Demian“ (1919)
Von 1907 bis 1912 gab Hermann Hesse zusammen mit Albert Langen? und Ludwig Thoma die freigeistige Zeitschrift? „März“ heraus. 1911 reiste er für mehrere Monate durch Ceylon, Singapur und Sumatra. Die spirituellen und kulturellen Erfahrungen, die Hesse dort sammelte, prägten sein weiteres literarisches Werk und befreiten ihn vom Einfluss Gottfried Kellers. Wegen seiner hochgradigen Kurzsichtigkeit für „felddienstuntauglich“ erklärt, war Hesse während des Ersten Weltkriegs in der Kriegsgefangenenfürsorge tätig. Ausgelöst durch die schwere Erkrankung seines Sohnes und die beginnende Schizophrenie seiner Frau, stürzte Hesse 1916 in eine tiefe Lebens- und Schaffenskrise. Er fasste den Entschluss, sich einer Psychoanalyse zu unterziehen. Die wechselvollen Erfahrungen dieser Zeit flossen in den Roman „Demian“ (1919) ein, der Hesses zweiter großer Bucherfolg wurde. Der Roman, der in 1. – 8. Auflage? unter dem bekenntnishaften Pseudonym Emil Sinclair? (ein Freund Hölderlins) erschien, markiert eine wichtige Zäsur im Werk? Hesses: die Abkehr von der lyrisch-romantischen Haltung und die Hinwendung zu Nietzsches Übermensch-Vorstellung.
„Der Steppenwolf“ (1927)
Nach dem Krieg und der Trennung von seiner ersten Frau siedelte Hesse 1919 ins schweizerische Tessin über. 1923 erhielt er die schweizerische Staatsbürgerschaft. In den 1920er Jahren veröffentlichte Hermann Hesse zwei bedeutende Romane?, die auch beim heutigen Lesepublikum? noch äußerst populär sind. Nach dem Roman „Siddharta“ (1922), in dem Hesse die Lebensgeschichte eines Inders erzählt, der den Weg aus dem Lebensüberdruss zu einem erfüllten Dasein findet, erschien sein Erfolgsroman „Der Steppenwolf“ (1927). Darin geht es um den innerlich zerrissenen Harry Haller – einen sensiblen und gemütskranken Außenseiter, der unter den Menschen und seiner Zeit leidet. Harry Haller, der zwei Seelen in sich trägt, die eines Menschen und die eines Wolfes, verlässt die kalte und nüchterne Welt der Spießbürger. Hermann Hesse betonte, dass „Der Steppenwolf“ zwar von Leiden und Nöten berichte, aber keineswegs das Buch eines Verzweifelten sei, sondern das eines Gläubigen. Der Roman „Der Steppenwolf“ begründete Hesses Weltruhm als Schriftsteller und avancierte zum Kultbuch der Hippiegeneration.
1933-1945: in Deutschland unerwünscht
1931 heiratete Hermann Hesse die Kunsthistorikerin Ninon Dolbin (geborene Ausländer). Im gleichen Jahr trat er aus politischen Gründen aus der Preußischen Akademie der Künste aus. In der Zeit von 1933 bis 1945 war Hesse zahlreichen Künstlern bei der Flucht aus dem nationalsozialistischen Deutschland behilflich, so bot er unter anderem Thomas Mann und Bertolt Brecht Unterschlupf auf ihrem Weg ins Exil?. Hesses Werke galten in Deutschland als unerwünscht. 1942 gab er in der Schweiz sein lyrisches Gesamtwerk? heraus. Die meisten seiner Gedichte sind von schlichter, musikalischer Sprache und intensiver Eindringlichkeit der Bilder. In dieser Zeit machte Hesse auch als Zeichner und Maler von sich reden.
Verleihung des Literaturnobelpreises
1943 legte Hermann Hesse in Zürich sein Alterswerk „Das Glasperlenspiel“ vor, an dem er seit Anfang der 1930er Jahre gearbeitet hatte. Darin gestaltet er noch einmal seine große Utopie: die Synthese von Gefühl und Vernunft, von Geist und Sinnlichkeit. „Das Glasperlenspiel“ gilt als einer der großen Bildungsromane des 20. Jahrhunderts. Die erste Ausgabe? in Deutschland erschien 1946.
Im Jahr 1946 wurde Hermann Hesse mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. In der Begründung der Jury hieß es, dass Hesse die Auszeichnung für sein Lebenswerk? erhalte, das in seiner kühnen und tiefgehenden Entwicklung die Ideale des klassischen Humanismus? ebenso wie die hohe Kunst des Stils repräsentiere. 1955 wurde Hesse mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels gewürdigt.
Hermann Hesse, der sich bereits nach der Veröffentlichung seines Romans „Das Glasperlenspiel“ aus gesundheitlichen Gründen aus dem literarischen Leben zurückgezogen hatte, starb am 9. August 1962 in Montagnola/Tessin.
Übrigens ...
wurden Hermann Hesses Werke in mehr als 50 Sprachen übersetzt?.
Auszeichnungen
- 1905 Bauernfeld-Preis
- 1928 Mejstrik-Preis der Wiener Schiller-Stiftung
- 1936 Gottfried-Keller-Preis?
- 1946 Goethe-Preis? der Stadt Frankfurt
- 1946 Nobelpreis für Literatur
- 1947 Ehrendoktor der Universität Bern
- 1947 Ehrenbürger seiner Heimatstadt Calw
- 1950 Wilhelm-Raabe-Preis?
- 1955 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
Werke (Auswahl)
- Die Antwort bist du selbst. Briefe an junge Menschen. Hg. von Volker Michels, Insel Verlag, Frankfurt am Main, 4. Aufl. 2000, ISBN: 978-3458342830
- Unterm Rad. EA 1906. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2007, ISBN: 978-3518365526
- Demian. EA 1919. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2006, ISBN: 978-3518367063
- Siddhartah. EA 1922. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2002, ISBN: 978-3518366820
- Der Steppenwolf. EA 1927. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2007, ISBN: 978-3518458556
- Narziß und Goldmund. EA 1930. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2006, ISBN: 978-3518367742
- Das Glasperlenspiel. EA 1943. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2007, ISBN: 978-3518413357
- Die Gedichte. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 2007, ISBN: 978-3518404553
Hörbücher
- Siddhartha. 4 CDs. München, Dhv der Hörverlag 2002, ISBN: 978-3895849213
- Über das Glück. Briefe, Gedichte und Prosa. CD. München, Dhv der Hörverlag 2003, ISBN: 978-3899402704
- Zwischen Sommer und Herbst. Betrachtungen und heitere Erzählungen. CD. München, Dhv der Hörverlag 1997, ISBN: 978-3895843495
Sekundärliteratur
- Freedman, Ralph: Hermann Hesse. Autor der Krisis. Eine Biographie. Frankfurt am Main, Suhrkamp Verlag 1991, ISBN: 978-3518383278
- Walther, Klaus: Hermann Hesse. München, dtv 2002, ISBN: 978-3423310628
- Zeller, Bernhard: Hermann Hesse. Reinbek, Rowohlt Verlag 2005, ISBN: 978-3499506765
Links
- Internationale Hermann-Hesse-Gesellschaft e.V.
- Hermann-Hesse-Museum der Stadt Calw
- Hermann-Hesse-Museum in Montagnola bei Lugano
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